Nachhaltige, gesunde Ernährung: Eindrücke vom International Congress of Dietetics 2016
02/11/2016

„Der Weg zu nachhaltiger Ernährung“ war das Motto des diesjährigen International Congress of Dietetics (ICD) in Granada, einer Konferenz, bei der sich alles um das Thema Nachhaltigkeit dreht. In der Lebensmittelwissenschaft und im Gesundheitswesen wird Nachhaltigkeit aus einer anderen als der sonst üblichen Perspektive betrachtet: Wir befassen uns mit Ernährungssystemen und untersuchen, wie diese nicht nur durch Anbau und Produktion, sondern auch durch Ernährungsempfehlungen und lebensmittelbasierte Ernährungsleitfäden (bei denen auch nachhaltige Arbeitsweisen eine Rolle spielen) nachhaltiger werden können. Ernährungsempfehlungen beeinflussen die Nachhaltigkeit, weil sie die verschiedenen Verarbeitungsverfahren der Nahrungskette berücksichtigen (einschließlich einer Minimierung des Anbau- und Transportaufwands, um die Umwelt zu schonen). 

Indem wir uns auf Nahrungsmittel „mit hoher Nährstoffdichte“ sowie deren Kalorien- und Mikronährstoffgehalt konzentrieren, erweitern wir die Optionen für eine gesunde Ernährung, bei der es heutzutage wegen der drohenden Adipositas-Epidemie in Europa allzu oft nur um Makronährstoffe geht. Nahrungsmittel mit hoher Nährstoffdichte haben verhältnismäßig wenig Kalorien (weniger als 150 kcal pro Portion), sind aber reich an Mikronährstoffen wie Vitaminen, Mineralien und Phytonährstoffen. In Zukunft wird es immer wichtiger werden, ein ausgewogenes Verhältnis von Makro- und Mikronährstoffen in Lebensmitteln zu erreichen, um die Gesamtnährstoffaufnahme der Menschen zu verbessern. Solche nachhaltigen Nahrungsmittel mit hoher Nährstoffdichte könnten daher nicht nur die Lebenserwartung eines adipösen Patienten erhöhen, sondern auch die unseres Planeten. 

Laut Prof. Andrew Drewnowski1, der auf der Konferenz sprach, muss ein nachhaltiges Nahrungsmittel erschwinglich und leicht zugänglich sein und eine hohe Nährstoffdichte aufweisen (d. h. der Nährwert pro Kalorie sollte besser sein als die CO2-Bilanz). Mit einem niedrigen Kaufpreis, nur 62 kcal pro Portion2 und mehr als 5 mg Mikronährstoffen pro Kalorie erfüllt reiner Fruchtsaft diese Anforderungen an nachhaltige Lebensmittel, insbesondere in Hinblick auf die Nährstoffdichte. In den Gesprächen mit Ernährungsberatern auf der Konferenz war der allgemeine Konsens, dass wir uns bemühen sollten, mehr Obst und Gemüse zu uns zu nehmen, und ich war freudig überrascht, dass viele Teilnehmer der Ansicht waren, dass Fruchtsaft Teil einer „nachhaltigen, gesunden Ernährung“ sein kann. Natürlich ist es Ernährungsberatern lieber, wenn ihre Patienten Obst im Ganzen essen, statt es auszupressen, aber im Saft stecken ja immer noch die Nährstoffe der Frucht, aus dem er gepresst wurde.3 Fruchtsaft ist leicht verfügbar und viel praktischer zu konsumieren als rohes Obst oder Gemüse, das frisch gehalten und manchmal vor dem Verzehr noch gekocht werden muss. 

Mir wurde bei der Veranstaltung die Ehre zuteil, mit Prof. France Bellisle und Dr. María Dolores del Castillo an einem der runden Tische der Konferenz teilzunehmen. Dessen Thema war „Gehört Fruchtsaft zu einer gesunden Ernährung“ und wir sprachen über Untersuchungen zum Nährwertprofil von Fruchtsaft, Mythen, die sich um seine Auswirkungen auf die Gesundheit ranken, und darüber, ob er in Europa zu einer ausgewogenen Ernährung dazugehören sollte.  Vor meinem Vortrag über „Lebensmittelbasierte Ernährungsleitfäden in Europa“ sprachen Prof. France Bellisle und Dr. María Dolores del Castillo über die Erkenntnisse der Verhaltensforschung zum Verzehr von Obst gegenüber Fruchtsaft sowie über die Auswirkungen der Inhaltsstoffe von Orangensaft auf die Gesundheit. Ich fand es interessant, dass Menschen, die Orangensaft trinken, nicht unbedingt weniger Obst essen. Im Gegenteil, Obstsaft scheint auf eine gesunde Ernährungsweise hinzudeuten.4 Natürlich unterschätzte keiner der Anwesenden, wie wichtig frisches Obst und Gemüse für eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung sind. Doch wir waren uns auch alle einig, dass reiner Fruchtsaft, in Maßen genossen, als Ergänzung zu Obst und Gemüse einen wichtigen Beitrag zu einer gesunden Ernährung leisten kann.

 

 

QUELLEN: 

1. http://www.icdgranada2016.com/08ProgramEN.pdf

2.,3. Fruit Juice Matters Infoblatt: “Nährwertprofil von Orangensaft

4. In einer 2010 durchgeführten Studie von NHANES (1999-2004), veröffentlicht im “Journal of the American College of Nutrition”, wurde der Zusammenhang zwischen dem Konsum von 100 % Fruchtsaft und der Wahrscheinlichkeit an Adipositas und metabolischem Syndrom zu erkranken untersucht. Es wurde festgehalten, dass im Vergleich der Probanden, die Konsumenten von 100 % Fruchtsaft im Gegensatz zu den Nicht-Konsumenten schlanker und insulinempfindlicher seien sowie eine geringere Wahrscheinlichkeit aufweisen würden, an Adipositas und dem metabolischen Syndrom zu erkranken. - Pereira, M & Fulgoni, V. L., (2010) Consumption of 100% Fruit Juice and Risk of Obesity and Metabolic Syndrome: Findings from the National Health and Nutrition Examination Survey 1999–2004. J Am Coll Nutr. 2010 Dec; 29(6):625-9. p 625.

 

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