„Die Auswirkungen von Orangensaft im Rahmen einer kalorienreduzierten Diät“ – Eine Zusammenfassung von Professor Johan De Rycker
30/11/2017

In ihrem jüngsten Artikel in der Fachzeitschrift Nutrition untersuchten Carolina Ribeiro et al. (2017) vom Food and Nutrition Department der São Paulo State University in Brasilien die Auswirkungen von Orangensaftkonsums während einer kalorienreduzierten Diät auf Gewichtsverlust, den Glukose- und Fettstoffwechsel sowie auf die Diätqualität übergewichtiger Personen.

Zwei Gruppen, bestehend aus jeweils 39 übergewichtigen Patienten (mit einem durchschnittlichen BMI von 33 und einem Durchschnittsalter von 36 Jahren), sollten randomisiert entweder eine ‚kalorienreduzierte Diät‘ befolgen, bei der sie täglich unter anderem 500 ml Orangensaft zu trinken bekamen, oder sie wurden einer Kontrollgruppe zugewiesen, die ebenfalls eine kalorienreduzierte Diät befolgte. In der Kontrollgruppe wurde der Saft durch Nahrung mit einem entsprechenden Energiegehalt ersetzt. Die Diät dauerte 12 Wochen. Zu Beginn der Studie wurde zunächst der gesamte Energieverbrauch gemessen und anschließend wurden 500 kcal pro Tag abgezogen (dies entspricht einer Reduktion des Gesamtenergieverbrauchs um 30 %). 

Beide Gruppen wiesen bezüglich ihrer aus der Diät resultierenden Körperzusammensetzung ähnliche Ergebnisse auf. Sie verloren nahezu gleich viel Gewicht (6 Kilo in der Kontrollgruppe und 7 kg in der Orangensaftgruppe), Magermasse, Fettmasse und Körperfettanteil (%). Auch ihren Taillen- und Hüftumfang verringerten sie in vergleichbarem Maße. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass „der Konsum von Orangensaft keine Auswirkungen auf den Gewichtsverlust bei einer kalorienreduzierten Diät hat.“

Im Vergleich zur Kontrollgruppe sanken jedoch bei der Gruppe, die Orangensaft zu sich nahm, Insulin um 18 %, der HOMA-IR um 33 %, der Gesamtcholesterinspiegel sowie der LDL‑Cholesterinspiegel um 24 % und der hs-CRP-Wert (Messwert für hochsensitives C-reaktives Protein; Marker für ein erhöhtes Risiko koronarer Ereignisse) nahm um 40 % ab (alle Werte mit p=0,05 oder niedriger bzw. statistisch signifikant für mindestens 95 %). Die Reduktion von Insulin und HOMA-IR war, verglichen mit der Kontrollgruppe, in den Wochen 8 und 12 besonders hoch und in der Woche 12 für den Gesamtcholesterinspiegel und den hs-CRP-Wert ähnlich signifikant. An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass die Veränderungen bei diesen Stoffwechselmarkern bis Woche 7 in beiden Gruppen ähnlich verliefen und in die gleiche Richtung wiesen, dass die Veränderungen jedoch ab Woche 8 bei der Kontrollgruppe stagnierten. Studien mit einer Dauer von weniger als 8 Wochen haben diese langfristigere Wirkung daher eventuell übersehen. 

Die Gruppe, die Orangensaft konsumierte, nahm signifikant höhere Mengen an Vitamin C und Folaten zu sich. Bei ihr erhöhten sich die jeweiligen Werte, im Vergleich zu den in der Kontrollgruppe gemessenen Werten, um 163 % bzw. um 62 %.

Die statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen bezüglich mehrerer Marker zeigen, dass eine randomisierte, kontrollierte Studie mit zwei Gruppen dieser Größe in diesem Fall als Grundlage für Ergebnisse ausreichte, insbesondere bei einer Studiendauer von mehr als 8 Wochen. Es ist jedoch fraglich, ob eine kalorienreduzierte Diät mit 500 ml Orangensaft am Tag anzuraten ist, da diese Menge an Orangensaft die empfohlene Portionsgröße für Fruchtsäfte in Europa (und auch Deutschland) übersteigt. Dennoch sind die Ergebnisse wichtig, da sie zeigen, dass der erhöhte Orangensaftkonsum den Gewichtsverlust nicht beeinträchtigt.

 

Diese Studie wurde von der Citrus BR und der Citrosuco S.A. durch eine nicht zweckgebundene Zuwendung finanziert. Sowohl die Ergebnisse als auch die von den Wissenschaftlern gezogenen Schlüsse wurden dadurch jedoch nicht beeinflusst.  

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