Orangensaft: Nährstoffe und Einflüsse auf die Gesundheit
04/04/2018

Orangensaft enthält von Natur aus viele wertvolle Inhaltsstoffe. Dazu gehören sekundäre Pflanzenstoffe, insbesondere Polyphenole, die sich förderlich auf die Gesundheit auswirken können. Setzt man Nährstoffgehalt und Kosten miteinander in Beziehung, bietet diese Art von Saft ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis (Drewnowski, 2010). Die im Orangensaft enthaltenen lebenswichtigen Nährstoffe liegen zudem in einer ausgewogenen Kombination vor: Wasser, Vitamine und Mineralien, natürlicher Zucker und organische Säuren sowie die erwähnten sekundären Pflanzenstoffe.

Nährwertprofil von Orangensaft
Orangensaft liefert pro 100 ml durchschnittlich 41 kcal und enthält 9 g Zucker. Davon entfallen 25 % auf Glucose, 27 % auf Fructose und 42 % auf Saccharose. Der Proteingehalt beträgt 0,6 g pro 100 ml; Fett ist nicht enthalten. Ein Glas Orangensaft ist eine ausgezeichnete Vitamin-C-Quelle: Es deckt etwa 50 des Tagesbedarfs. Außerdem deckt es den täglichen Bedarf an Folsäure und Kalium zwischen 10 und 20 %. Weiterhin liefert Orangensaft B-Vitamine und Provitamin A (vor allem in Form von Beta-Cryptoxanthin und Beta-Carotin) sowie Magnesium, Eisen und Kalzium.

Zitrussäfte wie Orangensaft sind ausgezeichnete Lieferanten von Hesperidin und Naringinin. Diese Polyphenole aus der Gruppe der Flavonoide werden auch als Flavone bezeichnet. Zitrusfrüchte und Zitrussäfte gelten als Hauptquelle für diese Flavonoide in der menschlichen Ernährung. Ein Glas Orangensaft enthält 150 mg Hesperidin. Forschungsergebnisse legen nahe, dass diese Verbindungen zur Vorbeugung kardiovaskuläre Erkrankungen einschließlich Schlaganfall beitragen könnten. (Chun et al., 2007; Cassidy et al., 2012; Murphy et al., 2012).

Diätetische Vorteile – Effekte auf die Gesundheit
Orangensaft trägt zu einer guten Versorgung mit Vitamin C bei. Vitamin C schützt als Antioxidationsmittel vor oxidativem Stress. Es ist an der Synthese von Kollagen, Carnitin, Noradrenalin, Adrenalin und dem Recycling andere Antioxidantien beteiligt. Darüber hinaus erhöht Vitamin C die Resorption von Eisen und spielt eine Rolle beim Abbau von Cholesterin zu Gallensäuren. Obwohl ein Vitamin-C-Mangel extrem selten ist, gibt es Zusammenhänge zwischen chronischen Erkrankungen und der Höhe des Ascorbinsäure-Spiegels im Blut: Wir beobachteten eine inverse Beziehung zwischen Ascorbinsäure-Spiegel und mehreren Stoffwechselmarkern wie Glucose-Homöostase, Blutdruck, oxidativer Stress, hs-CRP (high sensitivity C-reaktives Protein) und Body-Mass-Index. Niedrige Ascorbinsäure-Spiegel korrelierten mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas und Krebs (Sadakierska-Chudy, 2016).

Interventionsstudien zeigten eine signifikante Erhöhung des Vitamin-C-Spiegels im Blut, wenn die Probanden mindestens zwei Wochen lang zwei oder mehr Gläser Orangensaft täglich konsumierten (Kurowska et al, 2000; Johnston et al, 2003 Sanchez-Moreno et al., 2004; Franke et al., 2005; Morand et al., 2011).

Bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 2 und 18 Jahren, die Orangensaft verzehrten, zeigte sich im Vergleich zu denjenigen, die dies nicht taten, eine höhere Zufuhr von Proteinen, Ballaststoffen, Vitamin C, Folsäure, Kalium, Magnesium und Vitamin B6 (O'Neil et al., 2011). Kinder, die häufiger Orangensaft tranken, erreichten bei diesen Nährstoffen die empfohlene Tagesdosis. In einigen Studien mit Kindern und Erwachsenen korrelierte der Konsum von Orangensaft mit einer deutlich höheren Aufnahme von Gesamtenergie, -zucker und -fett sowie gesättigten Fettsäuren verglichen mit denjenigen, die keinen Orangensaft verzehrten. (O'Neil et al., 2011, Wang et al., 2012) Es zeigte sich jedoch auch dann eine erhöhte Aufnahme dieser Stoffe, wenn Orangensaft aus der Analyse ausgeschlossen war. Das legt nahe, dass die beobachteten Ergebnisse nicht mit dem Verzehr von Orangensaft zusammenhängen. (Wang et al., 2012).

Fruchtsäfte werden manchmal für die Zunahme von Übergewicht und Adipositas bei Kindern mitverantwortlich gemacht. Die Autoren Rampersaud und Valim analysierten daraufhin sieben Beobachtungsstudien mit Kindern im Alter von 2 bis 18 Jahren. In keiner der Studien hatte der Verzehr von Orangensaft einen Einfluss auf anthropometrische Parameter. Lediglich eine Studie zeigte ein erhöhtes Risiko für Übergewicht auf der höchsten Tertile des Verbrauchs. (Gail C. Rampersaud & M. Filomena Valim, 2017)

Einer der Gründe, warum Fruchtsäfte überhaupt mit Übergewicht in Verbindung gebracht werden, ist die enthaltene Fructose. Grundsätzlich gilt eine tägliche Aufnahme von mehr als 100 g Fructose als eine der Ursachen für Adipositas (Livesey und Taylor, 2008). Orangensaft enthält mit etwa 5 g Fructose pro Glas (200 ml) jedoch relativ wenig Fructose und leistet damit nur einen kleinen Beitrag zur täglichen Gesamtaufnahme.

Ein Glas Fruchtsaft, zum Beispiel Orangensaft, kann eine der empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag darstellen. Zwar werden durch den Verzehr von Stückobst mehr Faserstoffe aufgenommen; dies gilt jedoch nicht für andere Nährstoffe wie Kalium, Vitamin C oder Folsäure. Daher findet sich Fruchtsaft auch in den Ernährungsempfehlungen der meisten Fachgesellschaften wieder.

 

Autor:

Dr. Agnieszka Kozioł-Kozakowska, Ernährungsberaterin, Assistenzprofessorin in der Abteilung für Pädiatrie, Gastroenterologie und Ernährung UJ Collegium Medicum

 

Literatur:

Cassidy, A., Rimm, E. B., O’Reilly, E. J., Logroscino, G., Kay, C., Chiuve, S. and Rexrode, K. M. (2012). Dietary flavonoids and risk of stroke in women. Stroke. 43:946–951.

Chun, O. K., Chung, S. J. and Song, W. O. (2007). Estimated dietary flavonoid intake and major food sources of U. S. adults. J. Nutr. 137:1244–1252

Dauchet, L., Peneau, S., Bertrais, S., Vergnaud, A. C., Estaquio, C., Kesse-Guyot, E., Czernichow, S., Favier, A., Faure, H., Galan, P. and Hercberg, (2008). Relationships between different types of fruit and vegetable consumption and serum concentrations of antioxidant vitamins. Br. J. Nutr. 100:633–641.

Drewnowski, A. (2010). The Nutrient Rich Foods Index helps to identify healthy, affordable foods. Am. J. Clin. Nutr. 91:1095S–1101S.

Franke, A. A., Cooney, R. V., Henning, S. M. and Custer, L. J. (2005). Bioavailability and antioxidant effects of orange juice components in humans. J. Agric. Food Chem. 53:5170–5178.

Johnston, C. S., Dancho, C. L. and Strong, G. M. (2003). Orange juice ingestion and supplemental vitamin C are equally effective at reducing plasma lipid peroxidation in healthy adult women. J. Am. Coll. Nutr. 22:519–523.

Kurowska, E. M., Spence, J. D., Jordan, J., Wetmore, S., Freeman, D. J., Piche, L. A. and Serratore, P. (2000). HDL-cholesterol-raising effect of orange juice in subjects with hypercholesterolemia. Am. J. Clin. Nutr. 72:1095–1100.

Livesey, G. and Taylor, R. (2008). Fructose consumption and consequences for glycation, plasma triacylglycerol, and body weight: Meta-analyses and meta-regression models of intervention studies. Am. J. Clin. Nutr.88:1419–1437

Morand, C., Dubray, C., Milenkovic, D., Lioger, D., Martin, J. F., Scalbert, and Mazur, A. (2011). Hesperidin contributes to the vascular protective effects of orange juice: A randomized crossover study in healthy volunteers. Am. J. Clin. Nutr. 93:73–80.

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O’Neil, C. E., Nicklas, T. A., Rampersaud, G. C. and Fulgoni, V. L., 3rd (2011). One hundred percent orange juice consumption is associated with better diet quality, improved nutrient adequacy, and no increased risk for overweight/obesity in children. Nutr. Res. 31:673–682.

Rampersaud, G.C, Filomena Valim, M ( 2017). 100% citrus juice: Nutritional contribution, dietary benefits, and association with anthropometric measures, Critical Reviews in Food Science and Nutrition, 2017, Vol. 57/ 1, 129–140Sadakierska-Chudy (2016). Nutrigenomika, Dietetyka oparta na dowodach. MedPahmr Polska, Wrocław, 67-111.

Sanchez-Moreno, C., Cano, M. P., de Ancos, B., Plaza, L., Olmedilla, B., Granado, F., Elez-Martinez, P., Martin-Belloso, O. and Martin, A. (2004). Pulsed electric fields-processed orange juice consumption increases plasma vitamin C and decreases F2-isoprostanes in healthy humans. J. Nutr. Biochem. 15:601–607.

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