23 August 2018 - Ernährungsphysiologische Bedeutung von Orangensaft – Zusammenfassung wissenschaftlicher Erkenntnisse

23 August 2018 - Ernährungsphysiologische Bedeutung von Orangensaft – Zusammenfassung wissenschaftlicher Erkenntnisse

Fruitjuicematters

Die Bedeutung von Fruchtsäften in Deutschland zeigt sich in einer Statistik des Verbandes der deutschen Fruchtsaft-Industrie e.V. (VdF), in welcher der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland bei 32,2 Litern Fruchtsaft pro Jahr liegt (VdF 2017). Ein Vergleich der beliebtesten Fruchtsäfte zeigt, dass Orangensaft sich den 1. Platz als beliebtester Fruchtsaft Deutschlands mit Apfelsaft teilt. Hervorzuheben ist, dass sich die Beliebtheit von Apfelsaft in den letzten 11 Jahren fast halbiert hat, während die Beliebtheit von Orangensaft mit einem Rückgang von 1,4% im gleichen Zeitraum nur geringfügig abgenommen hat (Abbildung 1).

2. Ernährungsphysiologische Auswirkungen von Orangensaft

Die positiven und gesundheitspräventiven Auswirkungen des Obst- und Gemüsekonsums lassen sich nicht nur auf Obst und Gemüse in ihrer natürlichen Form beschränken. Gleichwohl konnten auch bei Fruchtsaft positive Wirkungen nachgewiesen werden (Boeing et al. 2017). So wird ein Glas Fruchtsaft, wie z.B. Orangensaft, ernährungsphysiologisch gleichwertig für eine Portion Obst angesehen (5 am Tag e.V. o.J.).

2.1 Verbesserungen der Nährstoffaufnahme

Einen positiven Zusammenhang zwischen der Nährstoffaufnahme und dem Verzehr von Orangensaft konnten O’Neil et al. (2012) feststellen. So fanden sie heraus, dass der Orangensaftkonsum mit einer höheren durchschnittlichen Nährstoffaufnahme von Vitamin A, Vitamin B6, Vitamin C, Folat, Magnesium, Kohlenhydraten, Gesamtzucker und Ballaststoffen korreliert. Zusätzlich konnte ein um 10 % höherer Healthy-Eating-Index (HEI) bei Orangensaftkonsumenten im Vergleich zu Nicht-Orangensaftkonsumenten festgestellt werden (O’Neil et al. 2012). Auch eine Verbesserung der Eisenresorption wurde nachgewiesen, welche insbesondere auf den Vitamin C-Gehalt im Orangensaft zurückzuführen ist (Balay et al. 2010, Hurrell; Egli 2010). Dieser Effekt ist von ernährungsphysiologischer Bedeutung, da, in Übereinstimmung mit der DGE, 45 % der täglichen Eisenaufnahme aus pflanzlichen Lebensmitteln stammt, dem sogenannten „Nicht-Häm-Eisen“, bei welchem die Bioverfügbarkeit im Vergleich zu tierischem Eisen niedriger und dadurch die Absorptionsmenge geringer ist (DGE(b), 2011).

2.2 Geringerer Body Mass Index (BMI)

O’Neil et al. (2012) konnten einen niedrigeren durchschnittlichen BMI bei Personen feststellen, welche regelmäßig Orangensaft konsumierten. Zusätzlich stellten sie ein verringertes Risiko für Übergewicht (21 %) verglichen mit Nicht-Orangensaftkonsumenten fest. Bei männlichen Probanden konnten sie zudem ein um 36 % verringertes Risiko für das Auftreten des Metabolischen Syndroms nachweisen (O’Neil et al. 2012).

2.3 Entzündungshemmend

In Abhängigkeit vom Zeitpunkt des Orangensaftkonsums konnte eine Verringerung der Entzündungsmarkers 8-epiPGF2α, 8-iso-PGF2 α und PGE2 festgestellt werden (Sánchez-Moreno et al. 2003; Rangel-Huerta et al. 2015). Hieran anknüpfend wurde eine indirekte Korrelation von Vitamin C und 8-epi-PGF2 α nachgewiesen. Sánchez-Moreno et al. (2003) vermuten daher, dass Vitamin C eine wichtige Rolle bei Entzündungsgeschehnissen zukommt. Diese Wirkung lässt sich jedoch nicht auf Vitamin C alleine reduzieren, sondern ebenso auf die Flavonoide Hesperidin und Naringenin (Coelho et al. 2013). So konnte eine signifikante Erhöhung von Hesperidin und Naringenin nach regelmäßigem Orangensaftkonsum festgestellt werden (Franke et al. 2005). Des Weiteren stellten Rangel-Huerte et al. (2015) Zusammenhänge zwischen den antioxidativen bzw. entzündunsmarkerhemmenden Wirkungen und den Flavonoiden fest. Ghanim et al. (2010) konnten diese Effekte zusätzlich nach dem Konsum von kohlenhydratreichen und fettreichen Mahlzeiten in Verbindung mit Orangensaft feststellen.

2.4 Verbesserung von HDL, LDL und Gesamtcholesterin

Es stellte sich heraus, dass Orangensaftkonsumenten ein niedrigeres Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin hatten als Nicht-Orangensaftkonsumenten (O’Neil et al. 2012). Neben dem Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin waren auch der LDL/HDL-Ratio und das Apolipoprotein B verringert (Aptekmann; Cesar 2013). Dieser Effekt zeigt sich auch bei Männern mit einer Hyperlipoproteinämie, jedoch etwas schwächer (Aptekmann; Cesar 2013). Zusätzlich wiesen männliche Orangensaftkonsumenten ein um 23 % verringertes Risiko eines erniedrigten HDL-Cholesterinspiegels auf (O’Neil et al. 2012).

2.5. Verbesserung der kognitiven Leistung

Alhabi et al. (2016) untersuchten die akute Verbesserung der kognitiven Leistung nach dem Konsum von Orangensaft innerhalb von 6 Stunden und konnten eine Verbesserung des „Continuous Performance Task“ (CPT) und des „Simple Finger Tapping“ feststellen. Des Weiteren wurde die relative Fehlerhäufigkeit bei verschiedenen kognitiven Tests im Gegensatz zu der Placebogruppe verringert (Alhabi et al. 2016).

3. Zusammenfassung

Die vorliegende Literatur spricht für den täglichen Konsum von Obst (Mensink et al. 2017) wobei dies auch den regelmäßigen Konsum von Orangensaft inkludiert. So sehen O’Neil et al. (2012), Morand et al. (2011) und Coelho et al. (2013) den Konsum von Orangensaft sogar als essentiell an, um die Tagesempfehlungen von Vitaminen und anderen Nährstoffen erreichen zu können. Der Orangensaftkonsum wird weiterhin auch in Bezug auf Entzündungsvorgänge im Körper diskutiert, die wiederrum im Verdacht stehen, ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen zu sein (Aptekmann; Cesar 2013, Sánchez-Moreno et al. 2003, Rangel-Huerta et al. 2015). Es stellt sich jedoch die Frage, welche Menge an Orangensaft konsumiert werden sollte. Um den Obstkonsum zu steigern und die Ernärhungsempfehlung leichter umsetzen zu können, empfiehlt die DGE im Rahmen der 5 am Tag-Kampagne gelegentlich ein Glas Fruchtsaft als Ergänzung oder Ersatz für eine Obstportion. In den hier zitierten Studien wurden Mengen zwischen 210 ml / Tag (O’Neil et al. 2012) bis hin zu 500 ml (Morand et al. 2010) und sogar 750 ml Orangensaft (Ghanim et al. 2010) aufgenommen. Da Fruchtsaft jedoch kein Durstlöscher ist, sondern von der DGE als pflanzliches Lebensmittel eingestuft wird und eine zu hohe Aufnahme mit einer erhöhten Energieaufnahme korrelieren könnte, kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass eine Aufnahme von einem Glas Orangensaft (150 ml) zu empfehlen ist.

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Auszug aus Einreichung von Hoang, Nghia Luong im Rahmen des Fruit Juice Matters Wettbewerb für Diätfachschulen

Zur Person

Name: Hoang, Nghia Luong
Alter: 21 Jahre
Wohnort: Mainz
Ausbildungsjahr: 3. Lehrjahr in der staatlich anerkannten Schule für Diätassistenten der Universitätsmedizin Mainz

Warum hast du dich für diesen Ausbildungsweg als Diätassistent entschieden?

Ich habe mich schon immer sehr für Ernährung und Kochen interessiert und im Laufe der Ausbildung auch für die Medizin. Die Ausbildung vereint meiner Ansicht nach diese Themen sehr gut, indem in Fächern wie Anatomie, Physiologie und Biochemie medizinische Grundlagen vermittelt werden und weiterhin in Diätetik, Koch- und Küchentechnik sowie Ernährungsberatung, als unsere Kernkompetenz, die praktische ernährungsbezogene Therapie gelehrt wird. Zusätzlich bietet die staatlich anerkannte Schule für Diätassistenten Kooperationen mit Hochschulen in Fulda und Neubrandenburg an, welche im Anschluss an die Ausbildung ein weiterführendes Studium ermöglichen.

Warum hast du am Wettbewerb teilgenommen?

Aufmerksam auf den Wettbewerb bin ich durch die Poster und Flyer in unserer Schule geworden. Dass ein Wettbewerb für uns als Schüler der Diätschulen existiert war mir bis dahin nicht bewusst und hat mein Interesse geweckt. Auch muss man zugeben, dass das Preisgeld einen zusätzlichen Ansporn geleistet hat, weshalb ich mich schlussendlich dazu entschieden habe, mein Glück zu probieren und am Wettbewerb teilzunehmen.

Was hat dich an der Thematik Orangensaft so fasziniert, dass du einen so ausführlichen Beitrag eingereicht hast?

Bereits bei meiner Literaturrecherche zum Thema Säfte, Fruchtsäfte und besonders Orangensäfte bin ich auf zahlreiche Artikel und Studien gestoßen, welche von positiven gesundheitlichen Wirkungen berichteten, die ich nicht ansatzweise vorher erahnt hätte. Je weiter ich mich in die Thematik reingelesen hatte, desto mehr interessante Fakten wurden erkennbar. Mein Ziel für die Arbeit war es, möglichst viele gesundheitlich positive Wirkungen von Orangensaft zusammenzufassen, um aus all den Informationen, die ich gesammelt hatte einen groben Überblick zu ermöglichen und weiterführend praktische Ansätze etablieren zu können. Zudem möchte ich nun bald den oben genannten weiterführenden Studiengang in Neubrandenburg besuchen. Angesichts dessen hatte ich mich dazu entschieden, bereits jetzt den Versuch zu starten, eine wissenschaftliche Hausarbeit zu schreiben. Dabei unterstützt hat mich der Schulleiter unserer Schule Herr Dr. Buchholz, welcher selbst durch zahlreiche Publikationen Erfahrungen in dem Bereich gesammelt hat und mich beim groben Aufbau meiner Arbeit unterstützt hat.

Text

Literaturverzeichnis

5 am Tag e.V.: Was ist 5 am Tag. Wieviel ist eine Portion Obst und Gemüse? Online verfügbar unter https://www.5amtag.de/wissen/was-ist-5-am-tag/, zuletzt geprüft am 05.03.2018.

Alhabi, Mudu H. et al. (2016): Flavonoid-rich orange juice is associated with acute improvements in cognitive function in healthy middle-aged males. In: European journal of nutrition 55 (6), S. 2021–2029.

Aptekmann, Nancy P.; Cesar, Thais B. (2013): Long-term orange juice consumption is associated with low LDL-cholesterol and apolipoprotein B in normal and moderately hypercholesterolemic subjects. In: Lipids in health and disease 12, S. 119–129.

Balay, Kimberly S et al. (2010): Orange but not apple juice enhances ferrous fumarate absorption in small children. In: Journal of pediatric gastroenterology and nutrition 50 (5), S. 545–550.

Boeing, Heiner et al. (2012): Gemüse und Obst in der Prävention ausgewählter chronischer Krankheiten. Stellungnahme. Hg. v. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Bonn.

Coelho, Raquel Cristina Lopes Assis et al. (2013): Anti-inflammatory properties of orange juice: possible favorable molecular and metabolic effects. In: Plant foods for human nutrition (Dordrecht, Netherlands) 68 (1), S. 1–10.

DGE(a)-Deutsche Gesellschaft für Ernährung (o.J.): 5 am Tag. Online verfügbar unter https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/5-am-tag/, zuletzt geprüft am 05.03.2018.

DGE(b)-Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2011): Bedeutung von Obst und Gemüse in der Ernährung des Menschen. 08/2011 (DGEInfo). Online verfügbar unter https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/fachinformationen/bedeutung-von-obst-und-gemuese-in-der-ernaehrung-des-menschen/, zuletzt geprüft am 04.03.2018.

Franke, Adrian A et al. (2005): Bioavailability and antioxidant effects of orange juice components in humans. In: Journal of agricultural and food chemistry 53 (13), S. 5170–5178.

Ghanim, Husam et al. (2010): Orange juice neutralizes the proinflammatory effect of a high-fat, high-carbohydrate meal and prevents endotoxin increase and Toll-like receptor expression. In: The American journal of clinical nutrition 91 (4), S. 940–949

Hurrell, Richard; Egli, Ines (2010): Iron bioavailability and dietary reference values. In: The American journal of clinical nutrition 91 (5), 1461–1467.

Mensink, Gert B.M. et al. (2017): Obstkonsum bei Erwachsenen in Deutschland. In: Journal of Health Monitoring 2 (2), S. 45–51.

Morand, Christine et al. (2011): Hesperidin contributes to the vascular protective effects of orange juice: a randomized crossover study in healthy volunteers. In: The American journal of clinical nutrition 93 (1), S. 73–80.

O'Neil, Carol E. et al. (2012): 100% orange juice consumption is associated with better diet quality, improved nutrient adequacy, decreased risk for obesity, and improved biomarkers of health in adults: National Health and Nutrition Examination Survey, 2003-2006. In: Nutrition journal 11, S. 107–117.

Rangel-Huerta et al. (2015): Normal or High Polyphenol Concentration in Orange Juice Affects Antioxidant Activity, Blood Pressure, and Body Weight in Obese or Overweight Adults. In: The Journal of Nutrition 145 (8), S. 1808–1816.

Sánchez-Moreno et al. (2003): High-Pressurized Orange Juice Consumption Affects Plasma Vitamin C, Antioxidative Status and Inflammatory Markers in Healthy Humans. In: The Journal of Nutrition 133 (7), S. 2204–2209.

VdF-Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e.V. (2016): Die beliebtesten Fruchtsäfte und Apfelschorle. Hg. v. Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e.V. Online verfügbar unter https://www.fruchtsaft.de/branche/daten-und-fakten/, zuletzt geprüft am 08.03.2018.

VdF-Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e.V. (2017): Die deutsche Fruchtsaft-Industrie in Zahlen. Hg. v. Verband der deutschen Fruchtaftindustrie e.V. Online verfügbar unter https://www.fruchtsaft.de/branche/daten-und-fakten/, zuletzt geprüft am 21.08.2018