4 September 2018 - Studien der Universitäten Hohenheim und Kiel bestätigen Gesundheitswert von Orangensaft

4 September 2018 - Studien der Universitäten Hohenheim und Kiel bestätigen Gesundheitswert von Orangensaft

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Viele Menschen lieben Orangensaft. Sie schätzen seinen fruchtigen, erfrischenden Geschmack genauso wie seinen Gehalt an Vitamin C und anderen Nährstoffen. Dennoch stehen Fruchtsäfte wie Orangensaft auch im Fokus der aktuellen Diskussion über Zucker als Ursache von Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ II. Ist dies im Lichte aktueller ernährungswissenschaftlicher Studien haltbar? Welche Auswirkung kann das Glas Orangensaft zum Frühstück tatsächlich haben? Antworten gab nun Prof. Dr. Dr. Reinhold Carle von der Universität Hohenheim beim Fruit Juices Matters Fakten-Frühstück in Hamburg.

Neue Studie liefert Hinweise zu Orangensaft und Gewichtszunahme

Tatsächlich steckt in einem Glas Orangensaft in etwa so viel natürlicher Zucker wie einem Glas Limo oder Cola zugesetzt sind. Und speziell für mit zuckergesüßte Erfrischungsgetränke häufen sich die Hinweise, dass deren hoher Verzehr mitverantwortlich für die wachsende Zahl übergewichtiger und adipöser Kinder, Jugendlicher und Erwachsener ist.

In einer mehrteiligen Crossover-Studie mit 26 gesunden Probanden im Alter zwischen 20 und 33 Jahren untersuchte nun das Forscherteam um Prof. Carle in Kooperation mit der Universität Kiel die Auswirkungen von Orangensaft auf verschiedene Stoffwechselparameter sowie das Köpergewicht.

Orangensaft am besten zu den Mahlzeiten trinken

Dabei ist zu beachten, dass in der Forschung bisher nicht unterschieden wurde, ob Orangensaft zu den Mahlzeiten oder zwischendurch getrunken wird. Und genau dieser Punkt scheint einen wichtigen Einfluss zu haben. Das zeigte die durchgeführte zweiarmige Interventionsstudie im Cross-Over-Design. Sie suchte zum einen Antworten auf die Fragen, ob der Genuss von Orangensaft zu einer Gewichtszunahme führt und welche Rolle der Zeitpunkt des Verzehrs dabei spielt. Zum anderen wollten die Wissenschaftler um Prof. Carle herausfinden, inwieweit Orangensaft und Cola unterschiedliche Stoffwechselwirkungen haben.

Um bereits nach einer kurzen Testphase von nur zwei Wochen aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, tranken die Studienteilnehmer – 26 gesunde Erwachsene im Alter zwischen 20 und 33 Jahren – rund 1,25 Liter Orangensaft pro Tag. Dabei war der Saft in der einen Gruppe dreimal täglich Bestandteil der Hauptmahlzeiten. Die Probanden der Vergleichsgruppe tranken ihn dagegen zwischen den Mahlzeiten. Das Ergebnis: Obwohl beide Gruppen damit über den Gesamtzeitraum der Studie rund 7.700 kcal durch Orangensaft zuführten, nahmen sie insgesamt nicht zu.

Interessante Unterschiede zeigten sich aber mit Blick auf das Körperfett. Es verringerte sich deutlich bei denjenigen, die den Saft zu den Mahlzeiten verzehrten. Bei den „Orangensaft-Snackern“ stieg es dagegen an. Auch bezogen auf den Zuckerstoffwechsel scheint es nach den Ergebnissen dieser Studie günstiger zu sein, Orangensaft als Bestandteil von Frühstück, Mittag- oder Abendessen zu genießen als zwischendurch. So sinkt das Risiko, an Diabetes mellitus Typ II zu erkranken.

Orangensaft schützt möglicherweise vor Gicht

Wie unterschiedlich Orangensaft und koffeinfreie Cola auf den Stoffwechsel wirken, ergab deren direkter Vergleich in einem weiteren Studienarm: Speziell der Harnsäurespiegel sank in der Gruppe, die täglich größere Mengen Orangensaft trank. Gleichzeitig stieg die Harnsäureausscheidung über den Urin. In der Cola-Gruppe zeigten sich solche Veränderungen nicht. Hohe Harnsäurespiegel sind ein entscheidender Risikofaktor für die Entstehung von Gicht. Verantwortlich für den beobachteten günstigen Effekt ist vermutlich das Vitamin C. Es steigert die Harnsäureausscheidung. Zusätzlich könnten die Flavonoide Hesperidin und Narirutin hierzu beigetragen haben. Viele Studien haben sich in den letzten Jahren mit diesen und anderen sekundären Pflanzenstoffen beschäftigt, und nachgewiesen, dass sie gut aus Orangensaft aufgenommen werden.
Ob auch bereits an Gicht erkrankte Menschen von diesen Effekten profitieren, lässt sich zurzeit noch nicht sagen. Hierzu wären weitere Untersuchungen erforderlich und lohnend – vor allem vor dem Hintergrund von Nebenwirkungen, die Medikamente gegen Gicht entfalten.

Orangensaft als eine Portion Obst

Unterm Strich unterscheiden sich Orangensaft und mit Zucker gesüßte Erfrischungsgetränke wie Limo oder Cola also deutlich in ihrer Wirkung auf die Gesundheit. Außerdem enthält Orangensaft zwar vergleichbare Mengen Zucker wie mit Zucker gesüßte Erfrischungsgetränke, liegt aber mit einem glykämischen Index (GI) von 50 im niedrigen Bereich. Softdrinks wie Cola haben mit 63 dagegen einen deutlich höheren GI. Darüber hinaus liefert Orangensaft eine Vielzahl an Nährstoffen in teils erheblichen Mengen. Und schließlich genießen die meisten Verbraucher ihn als gesundes Lebensmittel in Maßen, könnten den Verbrauch sogar noch steigern. Aktuell beträgt der Pro-Kopf-Verbrauch pro Tag gerade mal durchschnittlich 20 ml. Vor allem diejenigen, die es nicht schaffen, täglich fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen, können es sich mit einem kleinen Glas Orangensaft (150 ml) leichter machen.

Literatur

Büsing, F., Hägele, F.A., Nas, A., Döbert, L.-V., Fricker, A., Dörner, E., Podlesny, D., Aschoff, J., Pöhnl, T., Schweiggert, R., Fricke, W.F., Carle, R., Bosy-Westphal, A. High intake of orange juice and cola differently affects metabolic risk in healthy subjects; in: Clinical Nutrition (2018), DOI 10.1016/j.clnu.2018.02.028

Hägele, F.A., Büsing, F., Nas, A., Aschoff, J., Gnädinger, L., Schweiggert, R., Carle, R., Bosy-Westphal, A. High orange juice consumption with or in-between three meals a day differently affects energy balance in healthy subjects; in: Nutrition and Diabetes (2018) 8:19, DOI 10.1038/s41387-018-0031-3