Fruchtsaft in verschiedenen Lebensphasen – Für Kinder

KERNPUNKTE
  • - Eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit für Kinder, Vitamine und Mineralstoffe aufzunehmen.
  • - Ein Glas Fruchtsaft kann gelegentlich eine Portion Obst ersetzen und so dazu beitragen, die empfohlene Menge Obst und Gemüse zu erreichen.
  • - Ein Glas Orangensaft mit 150 ml enthält 121–182 % des von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) angegebenen Referenzwerts für Vitamin C und 18–23 % de Referenzwerts für Folat.[1]
  • - Vitamin C erhöht die Eisenaufnahme.
  • - Fruchtsaft versorgt den Körper zudem mit Flüssigkeit und kann somit den Wasserhaushalt unterstützen.

NÄHRSTOFFBEDÜRFNISSE UND DAMIT EINHERGEHENDE HERAUSFORDERUNGEN

Als Kindheit bezeichnet man den Zeitraum zwischen spätem Säuglingsalter und beginnender Jugend. In dieser Phase erweitern Kinder die Bandbreite der von ihnen konsumierten Nahrungsmittel und Getränke, wodurch auch die Nährstoffaufnahme vielfältiger und abwechslungsreicher wird. Das ist wichtig für ihr Wachstum, die geistige und auch die soziokulturelle Entwicklung. Einige mit der Ernährung zusammenhängende Probleme in dieser Lebensphase können z. B. sein:

Fruitjuicematters

Geringer Obstverzehr – Europäische Studien[2] legen nahe, dass Kinder und Jugendliche generell weniger als die für die Allgemeinbevölkerung empfohlene Tagesmenge von 400–500 g Obst und Gemüse verzehren. Wie im nachfolgenden Diagramm gezeigt, variiert der Konsum zudem beträchtlich von Land zu Land. Die WHO[3] meldet, dass durchschnittlich weniger als die Hälfte aller Kinder täglich Obst essen. In vielen Ländern, so auch in Deutschland, zählt ein kleines Glas Fruchtsaft als eine Portion Obst.

Wählerische Essgewohnheiten – Generell nehmen die meisten Kinder zu wenig Obst und Gemüse zu sich, insbesondere im Vorschulalter und solche Kinder, die ungewohnten Nahrungsmitteln generell skeptisch gegenüberstehen. Diese Gruppen neigen auch dazu, sich Vitamin-C-ärmer zu ernähren.[4] Gerade für Kinder, die unverarbeitetes Obst und Gemüse oft verweigern, kann Fruchtsaft eine alternative Bezugsquelle für Vitamine und Mineralstoffe darstellen. So liefert beispielsweise bereits ein kleines Glas Orangensaft (150 ml) über 100 Prozent der empfohlenen Menge an Vitamin C.[1]

Unzureichender Eisenstatus – Eine Überprüfung[5] von 44 Studien aus 19 europäischen Ländern ergab, dass die durchschnittliche Eisenaufnahme bei Säuglingen und Kleinkindern zwar nahe an die Empfehlungen heranreicht, zahlreiche Kinder jedoch nur unzureichende Werte aufwiesen. Diese bewegten sich zwischen 10 % in den Niederlanden und bis zu 50 % in Österreich, Finnland und Großbritannien. Die Häufigkeit eines Eisenmangels lag in Westeuropa bei etwa 5 %, in Osteuropa jedoch bei bis zu 50 %.

Darmträgheit – Im Leitfaden der North American Society of Pediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition zur Darmträgheit wird empfohlen, sich den Sorbitgehalt bestimmter Säfte zunutze zu machen, um einer möglichen Verstopfung bei Kindern vorzubeugen. Pflaumen-, Birnen- und Apfelsaft können bei an Darmträgheit leidenden Kindern zu einem höheren Wassergehalt im Stuhl und einer häufigeren Darmentleerung führen.[6]

Fruitjuicematters

FRUCHTSAFT: DER NUTZEN FÜR KINDER

Fruchtsaft wird durch das Zerkleinern und Auspressen von Früchten hergestellt. Die Nährstoffzusammensetzung entspricht also in etwa jener der verarbeiteten Ausgangsfrüchte. Dabei sind die Nährstoffwerte von Saft aus Konzentrat und Direktsaft vergleichbar. Unabhängig vom jeweiligen Herstellungsverfahren verbietet das europäische Recht, Fruchtsaft Zucker zuzusetzen.[7] Fruchtsaftgetränke oder Softdrinks können dagegen Zucker oder künstliche Süßstoffe enthalten.

Rechts ist die Nährstoffzusammensetzung von Orangensaft pro 100 ml aufgeführt. Ein 150-ml-Glas enthält rund 60 kcal (Kalorien), 13,6 g Zucker, der aus den Orangen stammt, und 55 mg Vitamin C.

Den von der EU zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben zufolge, spielen die in Fruchtsaft enthaltenen Nährstoffe (blau markiert) eine anerkannte Rolle beim Erhalt der Gesundheit.[8]

- Folat trägt zu einer normalen psychischen Funktionsfähigkeit und einer normalen Funktion des Immunsystems bei.

- Vitamin C trägt zur normalen Funktion von Haut, Knochen Zähnen und Zahnfleisch bei, indem es die normale Funktion der Kollagenbildung unterstützt. Zudem erhöht Vitamin C die Eisenaufnahme.

- Kalium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems, zur normalen Muskelfunktion und einem normalen Blutdruck bei.

Da sich Fruchtsaft anders auf den Blutzuckerspiegel auswirkt als zuckerhaltige Softdrinks, können sie nicht gleich gewertet werden. Untersuchungen mit Kindern legen Folgendes nahe:

- Laut einer Überprüfung von acht prospektiven Kohortenstudien mit über 34.000 Kindern steht Fruchtsaft bei Kindern im Alter von mindestens einem Jahr nicht in Zusammenhang mit veränderten Z-Werten des Body-Mass-Indexes.[9]

- Laut einer Sekundäranalyse der US-amerikanischen NHANES-Studie führt der Verzehr von Orangensaft zu einer höheren Aufnahme von Vitamin A, Vitamin C, Folat und Magnesium.[10] Weiterhin ließ der Verzehr von Fruchtsäften (oder der Verzicht darauf) keine Rückschlüsse darauf zu, ob Kinder anfälliger für Übergewicht waren. Interessanterweise nahmen Fruchtsafttrinker auch mehr Obst zu sich und schnitten im Healthy Eating Index von 2005 besser ab.

Fruitjuicematters

FRUCHTSAFT IN DIE ERNÄHRUNG EINBINDEN

Laut einer Empfehlung der American Academy of Pediatrics[11] können Kinder ab einem Alter von einem Jahr im Rahmen einer gesunden Ernährung täglich Direktsaft oder Fruchtsaft aus Konzentrat zu sich nehmen. Die entsprechenden Tagesmengen sind rechts in der Tabelle aufgeführt.

In vielen europäischen Ländern, so auch in Deutschland, gilt ein Glas Fruchtsaft als eine Portion Obst und kann somit dazu beitragen, die empfohlenen Menge Obst und Gemüse am Tag zu erreichen.

Da Vitamin C die Bioverfügbarkeit von Nicht-Häm-Eisen (z. B. aus Haferflocken, Linsen oder grünem Blattgemüse) verbessert[12], werden Fruchtsäfte idealerweise zu den Mahlzeiten konsumiert. So lassen sich auch mögliche Auswirkungen auf den Zahnschmelz eindämmen, weshalb Zahnärzte diese Option befürworten.

Quellen:
[1] Referenzwerte Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Empfohlene Zufuhr für Vitamin C: 30 mg für 4- bis 6-Jährige und 45 mg für 7- bis 10-Jährige. Empfohlene Zufuhr Folat: 140 μg für 4- bis 6-Jährige und 180 μg für 7- bis 10- Jährige. 

[3] WHO (2016)

World Health Organization WHO Regional Office for Europe, Growing up unequal: gender and socioeconomic differences in young people’s health and well-being.

[4] Kozioł-Kozakowska A et al. (2017)

Prevalence of food neophobia in pre-school children from southern Poland and its association with eating habits, dietary intake and anthropometric parameters: a cross-sectional study. Pub Health Nutr 18: 1-9.

[5] Eussen S et al. (2015)

Iron intake and status of children aged 6-36 months in Europe: a systematic review. Ann Nutr Metab 66: 80-92.

[6] Baker SS et al. (1999)

 Constipation in infants and children: evaluation and treatment. A medical position statement of the North American Society for Pediatric Gastroenterology and Nutrition. J Pediatr Gastroenterol Nutr 29: 612–626.

[9] Auerbach BJ et al. (2017)

Fruit juice and change in BMI: a meta-analysis. Pediatrics 139: pii e20162454

[10] O’Neil CE et al. (2012)

100% Orange Juice consumption is associated with better diet quality, improved nutrient adequacy, decreased risk for obesity, and improved biomarkers of health in adults: National Health and Examination Survey, 2003 – 2006. Nutr J

[11] Heyman MB u.a. (2017)

Fruit juice in infants, children and adolescents: Current recommendations. Pediatr 139: e20170967

[12] EFSA (2015)

Wissenschaftliches Gutachten zu Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr von Eisen. EFSA J 13:4254, 115 S.