Fruchtsaft in verschiedenen Lebensphasen – Für Senioren

KERNPUNKTE

• Für Senioren eine unkomplizierte und kostengünstige Nährstoffquelle.
• Ein Glas mit 150 ml Orangensaft enthält 50 bzw. 57 % des von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) angegebenen Referenzwerts für Vitamin C und 11 % des Referenzwerts für Folat.[1]
• Fruchtsaft versorgt den Körper zudem mit Flüssigkeit und kann somit den Wasserhaushalt unterstützen.
• In vielen Ländern, so auch in Deutschland, gilt ein Glas Fruchtsaft als eine Portion Obst und kann folglich gelegentlich dazu beitragen, die empfohlene Tagesmenge zu erreichen.

NÄHRSTOFFBEDARF UND DAMIT EINHERGEHENDE HERAUSFORDERUNGEN

Während einige Senioren gesund und vital sind, benötigen andere zusätzliche Unterstützung. Der britischen Statistikbehörde ONS zufolge erreichen die Menschen ein immer höheres Alter, sind aber während nahezu eines Fünftels ihrer Lebenszeit krank.[2] Einige mit der Ernährung zusammenhängende Probleme in dieser Lebensphase sind z. B:

Übergewicht – 66 % aller Menschen im Alter von 65–74 Jahren und 59 % aller Menschen ab 75 haben einen Body-Mass-Index über 25 und gelten somit als übergewichtig oder adipös.[3]

Mangelernährung – Dies betrifft 10 % der allein lebenden bzw. 50 % der in Krankenhäusern und Pflegeheimen untergebrachten Senioren. Nicht inbegriffen ist dabei die noch höhere Zahl der Personen, die von einer Mangel- oder Fehlernährung bedroht sind.[4] Unter Mangel- und Fehlernährung werden sowohl die zu geringe Aufnahme von Kalorien bzw. Eiweiß verstanden als auch Mikronährstoffdefizite, die auf Resorptionsstörungen oder eine unzureichende Aufnahme über die Nahrung zurückzuführen sind.

Behinderungen – Körperliche und/oder kognitive Einschränkungen können eine gesunde Ernährung erschweren, weil Betroffene möglicherweise Schwierigkeiten haben, einkaufen zu gehen, Mahlzeiten zu kochen oder ohne fremde Hilfe zu essen. Krankheit – Sowohl Erkrankungen selbst als auch die entsprechende (medikamentöse) Behandlung können sich auf Appetit, Speichelfluss, Geschmacksempfinden und Gemüt auswirken. Spezialdiäten können kostspielig oder schwierig zu beschaffen sein.

Wasserhaushalt – Ältere Menschen nehmen oft nicht ausreichend Flüssigkeit zu sich, etwa weil sie weniger Durst verspüren oder Inkontinenz fürchten. So kann es dazu kommen, dass der Körper nicht ausreichend mit Wasser versorgt wird.[5]

Mundgesundheit – Ein schlechtes Gebiss und Infektionen schränken die Bandbreite der Nahrungsmittel, die konsumiert werden können, ein.[6]

FRUCHTSAFT: DER NUTZEN FÜR SENIOREN

Fruchtsaft wird durch Zerkleinern und Auspressen von Früchten hergestellt. Die Nährstoffzusammensetzung entspricht also in etwa jener der verarbeiteten Ausgangsfrüchte. Dabei sind die Nährstoffwerte von Saft aus Konzentrat und Direktsaf vergleichbar. Unabhängig vom jeweiligen Herstellungsverfahren verbietet es das europäische Recht, dass Fruchtsaft Zucker oder andere Zusatzstoffe zugesetzt werden.[7] Fruchtsaft ist zudem eine preisgünstige Nährstoffquelle für ältere Menschen mit begrenztem Budget.

Fruitjuicematters

Rechts ist die Nährstoffzusammensetzung von Orangensaft pro 100 ml aufgeführt. Ein 150-ml-Glas enthält rund 60 kcal (Kalorien), 13,6 g Zucker, der aus den Orangen stammt, und 55 mg Vitamin C.

Den von der EU zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben zufolge spielen die in Fruchtsaft enthaltenen Nährstoffe (blau markiert) eine anerkannte Rolle beim Erhalt der Gesundheit.[8]

• Vitamin C trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress sowie einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
• Vitamin C trägt zudem zur normalen Kollagenbildung bei (wichtig für normale Funktion der Haut und Knochen) und erhöht die Eisenaufnahme.
• Folat trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung sowie einer normalen psychischen Funktionsfähigkeit bei.
• Zudem trägt Folat zu einem normalen Homocysteinstoffwechsel bei. Ein zu hoher Homocysteinspiegel wird mit einem höheren Risiko für Herzerkrankungen in Verbindung gebracht.
• Kalium trägt zu einer normalen Muskelfunktion und zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei.

Darüber hinaus legen neue Erkenntnisse aus randomisierten kontrollierten Studien mit Erwachsenen nahe, dass:

• Orangensaft sich – wahrscheinlich aufgrund seines geringeren glykämischen Indexes und hohen Nährstoffgehalts – deutlich vorteilhafter auf die Fettmasse und den Blutzucker-/Insulinspiegel auswirkt als zuckerhaltige Softdrinks.[9]

• der Insulinspiegel, die Insulinresistenz (HOMA-Index), das Gesamtcholesterin, das LDL-Cholesterin und das C-reaktive Protein sich mit dem täglichen Verzehr von 500 ml Orangensaft im Rahmen einer kalorienreduzierten Diät effektiver senken lassen, als mit einer kalorienreduzierten Diät ohne Orangensaft. Der Gewichtsverlust und Fettabbau nach 12 Wochen waren in beiden Diätgruppen vergleichbar, jedoch war die Aufnahme von Folat und Kalium in der Orangensaftgruppe gegenüber der Kontrollgruppe signifikant höher. Andere signifikante Unterschiede beim Brennwert oder bei den Nährstoffen wurden jedoch nicht festgestellt.[10]

Da Vitamin C die Bioverfügbarkeit von Nicht-Häm-Eisen (z. B. aus Haferflocken, Linsen oder grünem Blattgemüse) verbessert, werden Fruchtsäfte idealerweise zu den Mahlzeiten konsumiert. Studien legen nahe, dass ein niedriger Eisenstatus für die ältere Bevölkerung ein Problem darstellt.[11]

Senioren, deren Gebiss nicht mehr vollständig ist, fällt es möglicherweise schwer, Obst zu kauen. In solchen Fällen kann es vorteilhaft sein, die Menge an täglich konsumiertem Fruchtsaft zu erhöhen oder aus ganzen Früchten, Gemüsen und Naturjoghurt Smoothies zuzubereiten. Dies ist auch eine Option für ältere oder körperlich eingeschränkte Menschen, die Probleme beim Schneiden oder Schälen von Obst haben.

Grapefruitsaft hat bekanntermaßen Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten (etwa Statinen oder Mitteln gegen Impotenz, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck). Diese Patienten sollten unbedingt darüber informiert werden und ihren Hausarzt konsultieren.

Quellen:
[1] Referenzwerte Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Empfohlene Zufuhr für Vitamin C 95 mg für Frauen ab 65 Jahren und 110 mg für Männer ab 65 Jahren. Empfohlene Zufuhr Folat 300 μg für Frauen und Männer über 65 Jahren.

[4] Visser M et al. (2017)

Tackling the increasing problem of malnutrition in older persons: The Malnutrition in the Elderly (MaNuEL) Knowledge Hub. Nutr Bull 42: 178-186.

[5] Kenney WL & Chiu P (2001)

Influence of age on thirst and fluid intake. Med Sci Sports Exerc 33: 1524-1532.

[6] Kossioni AE et al. (2018)

Oral health in older people: time for action. Euro Geriatr Med 9: 3-4.

[9] Büsing F et a. (2018)

Büsing, F., Hägele, F.A., Nas, A., Döbert, L.-V., Fricker, A., Dörner, E., Podlesny, D., Aschoff, J., Pöhnl, T., Schweiggert, R., Fricke, W.F., Carle, R., Bosy-Westphal, A. High intake of orange juice and cola differently affects metabolic risk in healthy subjects; in: Clinical Nutrition (2018), DOI 10.1016/j. clnu.2018.02.028

[10] Ribeiro C et al. (2017)

Orange juice allied to a reduced-calorie diet results in weight loss and ameliorates obesity-related biomarkers: A randomized controlled trial. Nutrition 38: 13–19

[11] Fairweather-Tait SJ et al. (2014)

Iron status in the elderly. Mech Ageing Dev 136-137: 22–28.