Wirkung von lycopinreichem Saft auf Faktoren des Metabolischen Syndroms

Bonn, 28. Oktober 2016 – Eine Studie aus Brasilien mit einer Orangensaftsorte, die besonders viel Lycopin enthält, liefert neue Erkenntnisse zur Wirkung von Orangensaft auf Risikofaktoren des Metabolischen Syndroms (MetS). Bei den Probanden, die 8 Wochen lang täglich 750 Milliliter dieses Saftes verzehrten, zeigten sich unter anderem günstige Effekte auf den Cholesterinspiegel, die Insulinsensitivität sowie den Blutdruck. Gleichzeitig kam es nicht zu einer Gewichtszunahme.

Orangensaft enthält je nach Sorte hohe Mengen an Vitamin C, Carotinoiden und Flavonoiden. Von großem Interesse sind seine antioxidativen Eigenschaften, die wiederum wichtig in der Prävention vieler ernährungsmitbedingter Erkrankungen sind. Eine Schlüsselrolle scheinen dabei die Anthocyane zu spielen. Das sind rot färbende Flavonoide, die reichlich im Blutorangensaft enthalten sind und auch als Antioxidantien gelten: „Zum Beispiel wurde festgestellt, dass Orangensaft (Blutorangensaft), reich an Anthocyanin, die antioxidative und entzündungshemmende Reaktion gegen oxidativen Stress erhöht, der durch eine fetthaltige Mahlzeit in die weißen Blutkörperchen induziert wird.“ Die auf Zitrusfrüchte spezialisierte Forschergruppe um Thais B. Cesar vom Departement of Food and Nutrition der Universität São Paulo hat derartige Orangensäfte schon mehrfach in klinischen Studien untersucht. Nun widmeten sich die Wissenschaftler erstmals einer neuen Orangensorte namens Sanguínea de Mombuca. Deren Besonderheit: Ein in der Welt der Zitrusfrüchte einmalig hoher Gehalt des Carotinoids Lycopin, wie er ansonsten nur in Tomaten zu finden ist. Das Ergebnis: Auch der regelmäßige Verzehr dieses Orangensaftes könne diverse Kenngrößen des Metabolischen Syndroms (MetS) positiv beeinflussen, führe aber gleichzeitig nicht zwangsläufig zu einer Gewichtszunahme, so die Verfasser der Studie.

Bestimmung von Kenngrößen des Metabolischen Syndroms

Noch gibt es keine einheitliche Definition des MetS. Nach Einschätzung von WHO (World Health Organization) und anderen Gremien spielen jedoch immer die Komponenten (abdominelle) Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2 bzw. dessen Vorstufen, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck eine Rolle. Die brasilianischen Wissenschaftler Silveira, Dourado und Cesar verglichen daher, wie sich diverse Kenngrößen dieser Faktoren vor und nach einer achtwöchigen Orangensaft-Intervention veränderten. Dazu bestimmten sie unter anderem den Bauchumfang, den Glucose- und Insulinspiegel, verschiedene Cholesterinfraktionen und Triglyceride, den Blutdruck und die antioxidative Kapazität des Blutes. Insgesamt erlangten sie Daten von 35 gesunden Männer und Frauen – 17 normalgewichtige und 18 übergewichtige bzw. adipöse Probanden.

Lycopinreicher Orangensaft wirkt günstig auf diverse Biomarker

Der regelmäßige Verzehr von Orangensaft übte folgenden Einfluss auf verschiedene Biomarker aus, die bei der Entwicklung des MetS eine Rolle spielen können: Das Gesamtcholesterin reduzierte sich in der Gruppe der Normalgewichtigen um 12 Prozent von 187 auf 165 Milligramm pro 100 ml, bei den Übergewichtigen um 7 Prozent von 217 auf 202 Milligramm pro 100 Milliliter. In beiden Gruppen sank das LDL-Cholesterin um 10 Prozent. Gleichzeitig verbesserte sich die Insulinsensitivität und sank der Blutdruck. Signifikant war außerdem die Steigerung der antioxidativen Kapazität: Bei den Normalgewichtigen um 154 Prozent, bei den Übergewichtigen um 125 Prozent. Bisher wurden solche Effekte den im Orangensaft enthaltenen Anthocyanen zugesprochen. In der vorliegenden Studie vermuten die Autoren als Verursacher das Lycopin.

Aus den Ergebnissen folgerten die Forscher: „Es gab keine Veränderung der anthropometrischen Parameter der Teilnehmer. Allerdings gab es eine Verringerung einiger der Risikofaktoren, die mit dem metabolischen Syndrom assoziiert werden, wie z. B. Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und der Gesamtblutdruck bei gleichzeitiger Zunahme der antioxidativen Aktivität. (...) Daher kann die Förderung des regelmäßigen Verzehrs von rotem Orangensaft eine Strategie sein, um die Entstehung von Risikofaktoren für metabolisches Syndrom zu verzögern.“

Hoher Konsum von Orangensaft führt nicht zu Übergewicht

Weder die normal- noch die übergewichtigen Probanden nahmen im Laufe der Orangensaft-Intervention zu. Auch ihr Bauchumfang – ein Maß für das Viszeralfett und somit wichtiger Risikofaktor des MetS – erhöhte sich nicht. Und das, obwohl die männlichen Teilnehmer 22 Prozent mehr Kohlenhydrate und 5 Prozent mehr Energie aufnahmen. Dieses Vorgehen wurde bereits in vergleichbaren Studien1 beobachtet.

In der Versorgung mit Vitamin C und Folsäure, beides Vitamine, die im Orangensaft reichlich vorhanden sind, ergab sich folgende Veränderung: Die Vitamin-C-Zufuhr stieg bei den Männern von im Mittel 160 auf 447 Milligramm pro Tag, bei den Frauen von 112 auf 411 Milligramm. Die Folsäure-Zufuhr verdoppelte sich von 221 auf 423 Mikrogramm bei den Männern und 179 auf 347 Mikrogramm bei den Frauen.

 

Die hier aufgeführten Inhalte beziehen sich auf folgende Studie:

Silveira, Jacqueline Q., Dourado, Grace K. Z. S., Cesar, Thais B.: Red-fleshed sweet orange juice improves the risk factors for metabolic syndrome. International Journal of Food Sciences and Nutrition. (2015) 66:7, 830-836

 

1. z.B. Morand C, Dubray C, Milenkovic D, Lioger Martin JF, Scalbert A, Mazur A. 2010. Hesperidin contributes to the vascular protective effects of orange juice: a randomized crossover study in healthy volunteers. Am J Clin Nutr 93:73–80. Oder Franke AA, Cooney RV, Henning M, Custer LJ. 2005. Bioavailability and antioxidant effects of orange juice components in humans. J Agric Food Chem 53:5170–5178. Oder Cesar TB, Aptekmann NP, Araujo MP, Vinagre CC, Maranha˜o RC. 2010. Orange juice decreases low-density lipoprotein cholesterol in hypercholesterolemic subjects and improves lipid transfer to high-density lipoprotein in normal and hypercholesterolemic subjects. Nutr Res 30: 689–694.

 

Hier die Pressemitteilung als pdf zum Download.

Benötigen Sie weitere Informationen?

Hier geht es zu unserer Kontaktseite, über die Sie sich an das Team von „Fruit Juice Matters“ wenden können.

Kontaktieren Sie uns